Die Glocken von St. Pantaleon
Von Ende Februar bis Mitte März 2026 wurde in der katholischen Pfarrkirche St. Pantaleon die Aufhängung der vier Glocken erneuert. Die Joche aus Stahlträgern, die noch aus den 1950er-Jahren stammten, wurden durch Balken aus Eichenholz ersetzt. Dies verschafft den Glocken einen runderen Klang und mindert die Schwingungen, die sich auf den Glockenstuhl und somit auf das Gebäude übertragen.
Für vier Glocken wurden jeweils die Querbalken zur Aufhängung, die Gegengewichte, Verbindungsriegel, Klöppelaufhängungen und Läuteräder neu hergestellt. Den Auftrag erhielt die Fachfirma Philipp Hörz GmbH im bayerischen Biberach. Insgesamt musste mehr als eine Tonne Altmaterial im Glockenstuhl ausgebaut, nach unten transportiert und als Metallschrott entsorgt werden.
Um die Joche und sonstigen Halterungen auszubauen, wurden die Glocken mit Flaschenzügen angehoben und danach auf Kanthölzer abgesetzt. Für den Materialtransport wurden in einer auf den Vorplatz hinausgehenden Luke der Glockenstube die Bretter der Schallläden entfernt. So konnte ein Materialkorb, angehoben von einem Teleskopkran, dort mit seiner Laderampe „andocken“.
Oben angekommen zogen die beiden Monteure der Philipp Hörz GmbH die einzelnen Teile mittels Flaschenzügen in die Glockenstube. Dabei musste ein Höhenunterschied von 60 cm bis auf die Arbeitsbühne des Glockenstuhls überwunden werden. Das schwerste Teil war der neue Klöppel für die große Glocke in der Stimmung B mit gut 140 Kilogramm.
Bevor eine Glocke an dem hölzernen Joch befestigt werden kann, muss eine Vertiefung hineingefräst werden. Diese soll den metallenen Befestigungsstegen der Glocke Halt geben, wenn sie hin- und herschwingt. Immerhin macht dies aus der Senkrechten 50 bis 70 Grad in jede Richtung aus. Mit starken Stahlbändern wird jede Glocke an den Holzbalken geschraubt, an dem schon die Drehachse befestigt ist.
Anschließend wird jede Glocke samt Joch mit einem Flaschenzug nach oben gehievt. An diesen Punkten ist die Decke über den Glocken mit zusätzlichen Balken verstärkt. Um die Joche mit den Achsen exakt an die Position der Kugellager zu bringen, müssen die Monteure trotz der schweren Last mit Hebeln und horizontalen Flaschenzügen feinfühlig jonglieren. Danach werden Kette und Seil des Antriebsmotors mit dem Leuterad verbunden.
Als letztes werden die neuen Klöppel in der Glocke befestigt. Diese hingen bisher direkt an der metallenen Öse in der Glocke. Nun ist eine Art Flansch dazwischengesetzt. Über dessen Bügel laufen jetzt die gefetteten Lederriemen, an denen der Klöppel beweglich aufgehängt ist. Der Flansch macht es möglich, Ungenauigkeiten in der Ausrichtung der Glocken auszugleichen.
Auch hierbei müssen die Monteure wieder mit Flaschenzügen und Podesten arbeiten, um den Klöppel exakt in Montagehöhe zu bringen – bei Gewichten bis weit über 100 Kilogramm kein leichtes Unterfangen.
Bewegt werden die Glocken durch einen seitlichen Motor, der mittels Kettenrad einen Seilzug antreibt. Erhält der Motor Strom, bringt er die Glocke mit gleichlangen Hin-Her-Bewegungen zum Schwingen. Je nach Glocke beträgt der Ausschlag zwischen 48 und 70 Grad aus der Senkrechten. Ab einer bestimmten Höhe hat der Klöppel soviel Schwung, dass er am Umkehrpunkt innen an der Glocke anschlägt.
Je größer die Glocke, desto weniger Intervalle pro Minute muss sie absolvieren. So bringt es die Glocke „Pantaleon“ auf 46 Zyklen, die nächstkleinere „Michael“ auf 50, die Glocke „Bruno“ auf 54 und „Maria“ auf 58 Durchläufe. Zum Stillstand gebracht werden die Glocken mithilfe von Scheibenbremsen in den Elektromotoren.
Zahlen und Daten zum Geläut
Ende des 11. Jahrhunderts entstand in St. Pantaleon mit drei großen Glocken das für Köln bedeutendste Geläut nach den Domglocken. Nach zwei Weltkriegen im 20. Jhd. mit dem Einschmelzen der Glocken zur Herstellung von Waffen ist davon nichts mehr erhalten. Die Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock stellte 1956/57 ein neues vierstimmiges Geläut her, das heute noch im Vierungsturm des Westwerks für Beschallung sorgt mit diesen Glocken:
- Pantaleon – Durchmesser 1700 mm – Gewicht 3.000 kg – Tonlage b
- Michael – Durchmesser 1480 mm – Gewicht 2.000 kg – Tonlage c′
- Bruno – Durchmesser 1420 mm – Gewicht 1.800 kg – Tonlage des
- Maria – Durchmesser 1080 mm – Gewicht 750 kg – Tonlage f′
Video der Glocken in Aktion
Probegeläut im Glockenstuhl von St. Pantaleon am 19.03.2026
