Im Abseits? Industriedenkmäler des Rheinischen Braunkohlenbergbaus – 14.03.2022

Für viele Bewohner des Rheinlandes sind die Zeugnisse der Braunkohlenbergbaus unbekannt. Die gigantischen Tagebaugeräte stehen in den großen Tieftagebauen und werden erst richtig von den abseits gelegenen Aussichtspunkten sichtbar. Die Brikettfabriken befinden sich in den vergleichsweise kleinen Orten Hürth, Frechen und Bergheim-Niederaussem. Nur die Braunkohle-Kraftwerke sind präsent – etwa an der Autobahn A4 zwischen Köln und Aachen in Weisweiler oder in Richtung Grevenbroich in Niederaussem, Neurath und Frimmersdorf sowie auf dem Industriehügel von Hürth-Knapsack.

Eine Entscheidung über die denkmalwerten Objekte im Rheinischen Revier wurde vom LVR-Amt für Denkmalpflege schon 2008 im Braunkohleninventar veröffentlicht. Geld stünde mit der Bund/Länder-Einigung zum Kohle-Ausstieg nun auch zur Verfügung.  Eine Art museale Erhaltung des Kraftwerks Frimmersdorf II ist vielfach vorgeschlagen worden. Der ehemalige Referatsleiter Technik- und Industriedenkmale im LVR-Amt für Denkmalpflege, Prof. Dr. Walter Buschmann, stellt in seinem Vortrag am 14.03.2022 im Kölner Domforum die Denkmale des rheinischen Braunkohlenbergbaus vor und wird unter Berücksichtigung der bisherigen und aktuell diskutierten Modelle ein Gesamtkonzept zur Überlieferung des Rheinischen Reviers darstellen sowie erläutern.

Domforum – 14. März 2022 – 19.30 Uhr

Referent: Prof. Dr. Walter Buschmann, Verein Rheinische Industriekultur

Schmuckfoto oben: Achim Bednorz

Prof. Dr. Buschmann bei seinem Vortrag im Kölner Domforum über die Entwicklung der Braunkohleförderung  Foto: Martin Lehrer

Bericht über die Veranstaltung: Der Abbau von Braunkohle im Rheinland reicht etwa 500 Jahre zurück, wie Prof. Dr. Walter Buschmann in seinem gut einstündigen Vortrag erläuterte. Hatte die Braunkohle als Brennstoff wegen des Geruchs anfangs ein schlechtes Image, stieg deren Nutzung infolge der Energiekrise im ausgehenden 18. Jhd. Von den frühen Gruben und Förderanlagen ist jedoch nichts mehr erhalten, da die Lagerstätten später in großem Maßstab abgebaut wurden. Die Industrialisierung führte auch in der Braunkohlengewinnung zum Bau großer Anlagen mit Maschinenpark, etwa Brikettfabriken, Eisenbahnstrecken, Kraftwerke und Verwaltungsgebäude.

Ein breites industrielles Erbe bietet sich in den Brikettfabriken, die in der ersten Hälfte des 20. Jhds. gebaut wurden. Während in der Anlage der Frechener Grube Carl die Maschinen verschrottet und in dem Gebäude Wohnungen eingerichtet wurden, verfügt die bis vor kurzem noch produzierende Brikettfabrik Frechen-Wachtberg noch über viel Originalsubstanz. Eine technikgeschichtliche Rarität stellen auch die Reaktoren des Wesselinger Hydrierwerkes dar. Dort wurde seit 1937 aus Braunkohle flüssiger Kraftstoff hergestellt. Die 18 Meter hohen Stahlröhren weisen eine Wandstärke von 23 Zentimeter auf.

Insgesamt – so Buschmann – stehen längst nicht alle erhaltenswerten Anlagen zur Geschichte der Braunkohlengewinnung und -verstromung unter Denkmalschutz. Oft fehle es bei den vergleichsweise kleinen Kommunen, auf deren Gebiet die Anlagen stehen, an historischem Bewusstsein oder denkmalpflegerischer Kompetenz.

Um die in absehbarer Zeit endende Epoche der Braunkohle im Rheinland angemessen zu dokumentieren, schlug Buschmann ein Erhaltungskonzept mit den Hauptstandorten Frimmersdorf II (Kraftwerk) sowie Weisweiler (Schaufelradbagger 255) vor. Als ergänzende Wegmarken kämen Fortuna-Nord, Wachtberg, Berrenrath sowie das Goldenberg-Werk in Betracht. Seinen Sitz hätte das Dokumentationszentrum in Frimmersdorf II, eingebettet in ein geplantes Schaudepot „7000 Jahre Rheinische Geschichte“.

Der Vortrag ist bei YouTube abrufbar unter https://www.youtube.com/watch?v=MAPhigibPBA

 

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